Auto bricht in See ein!!!!!!!!!!!

Echt ein Knüller diese Geschichte aus den Kieler Nachrichten vom 14.01.2013

 

Vor 50 Jahren in Plön

Auto bricht in Großen Plöner See ein

Von Hans-Jürgen Schekahn 

Es war dunkel, sehr kalt und gefährlich: Vor genau 50 Jahren versank ein Auto im Großen Plöner See. Jugendliche hatten eine Spritztour auf dem zugefrorenen Eis gemacht. Wolfgang Dreher (68) war Zeitzeuge des Unfalls, sein Bruder Hermann bewahrte die Fotos auf. Beide erinnern sich an die Fahrt über den See und die spektakuläre Bergung.
Foto: Mit einem ein Dreibein aus alten Telegrafenmasten wurde das Auto aus dem Großen Plöner See gezogen.

Mit einem ein Dreibein aus alten Telegrafenmasten wurde das Auto aus dem Großen Plöner See gezogen.

© Dreher (Archiv)
Plön. Am 15. Januar 1962, einem Sonntag, wütet eine bittere Kälte. Mindestens minus 15 Grad. Das Eis auf dem Großen Plöner See ist seit Wochen dick gefroren. Jugendliche treiben ihren Schabernack mit dem strengen Winter und fahren ihre Autos auf das Eis. Tampen an die Stoßstange und sich auf Schlittschuhen vom Wagen ziehen lassen. Wolfgang Dreher: „Wir haben uns so richtig ausgetobt. Das war ein Jux.“

Eine vierköpfige Gruppe fährt in einem DKW von Plön über den See nach Bosau zu Bekannten. Die direkte Strecke ist ja auch kürzer als über die Straße. Doch bevor die Jugendlichen gegen Mitternacht ihre Rückfahrt - natürlich auch über den See - antreten, schlägt der Wind um. Es beginnt heftig zu schneien und zu stürmen. Dann passiert es. Vor der Marineunteroffizierschule bricht das Eis und eine 25 Zentimeter mächtige Scholle schiebt sich an die Oberfläche. Gut versteckt unter dem Neuschnee wird sie in der Dunkelheit zur Autofalle: Der DKW knallt gegen das kalte Hindernis und kommt abrupt zum Stehen.

Die vier Jugendlichen, alle so im Alter zwischen 20 und 22 Jahren, springen hastig aus dem Wagen und flüchten an Land aus Angst, das Eis könnte jeden Moment brechen. Der Wagen bleibt mit angeschaltetem Licht und laufendem Motor allein zurück. Was tun? Ein eiligst alarmierter Bekannter rollt mit seinem VW Käfer an, um den DKW abzuschleppen. Doch so weit kommt er gar nicht mehr. Der Volkswagen bleibt im Schneematsch auf dem See stecken und friert im Laufe der Nacht bis zu den Trittbrettern ein. Der nächste Morgen bringt eine Überraschung. Der Käfer steht noch einsam vor der Marineunteroffizierschule. Es wird einen Tag dauern, ihn aus dem Eis heraus zu schlagen. Jedoch der DKW ist verschwunden. An der Stelle, wo er stand, ist ein rechteckiges Loch zu sehen, das bereits überfroren ist. Das war geschehen: Die Hitze des laufenden Motors hatte das Eis langsam schmelzen lassen. Der DKW versank in der Nacht bis auf den Grund in rund sechs Meter Tiefe.

Der Vater der Dreher-Brüder ist Besitzer einer Bootswerft und praktisch veranlagt. Er hilft den Freunden seiner Söhne gern bei der Bergung. Dreher Senior konstruiert ein Dreibein aus alten Telegrafenmasten und stellt ihn über der Unglücksstelle auf. In einiger Entfernung lässt er eine Handwinde ins Eis einfrieren, damit sie die Last auch gut halten kann. Ein Sporttaucher gleitet nun durch ein Loch im Eis hinunter zum DKW, der ausgerechnet auch noch auf dem Dach liegt. Er bindet Stahlseile um die Räder. Ein Team von Helfern legt sich ins Zeug und kurbelt an der Winde. Stück für Stück kommt der DKW aus dem eiskalten Wasser zum Vorschein. Ein anderer Wagen schleppt ihn nun vom Eis. In einer Werkstatt werden die Polster getrocknet, Batterie und Zündkerzen ausgetauscht. Dann kommt der Moment, an den sich Wolfgang Dreher mit einem Schmunzeln erinnert: „Einmal durchgestartet und er lief.“ Einzig die Beule im Dach erinnert an das unfreiwillige Tauchbad im Plöner See. Die Helfer drücken die Delle von innen heraus, bisschen Spachtelmasse drüber - nichts mehr zu sehen. Der DKW mit seiner scheinbar unverwüstlichen Technik tuckert noch jahrelang als Taxi durch Plön. Friedlich auf der Straße, wie es sich gehört.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Immer einen Klick wert: